Wir unterwegs - Krefelder Segler

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Wir unterwegs

Griechenland die Dritte Saison

Nach dem wir in den letzten beiden Jahren unseres Griechenland Trips die umliegenden Inseln von der Seeseite her erkundet hatten, wollten wir in diesem Jahr auch mal das Inland erkunden. Gesagt, getan, Urlaub von der Segelschule genommen, das Schiff ausgerüstet, unseren Kater Flauschi eingefangen, abends abgelegt, längsseits an ein befreundetes Schiff gegangen damit der Kater nicht wieder in die Berge zu seinen Freunden verschwindet.
Am nächsten Morgen suche nach dem Kater, er ist nicht zu finden. Auf unserem Schiff und auf dem Nachbarschiff, bei dem wir längsseits gegangen waren, war er nicht. Also wieder anlegen und den Kater suchen. Den ganzen Tag war er nicht zu sehen, aber am Abend grüßte er uns freundlich von einer Mauer oberhalb einer Taverne in der wir öfter eingekehrt waren. Er hatte vermutlich von der letzten Ausfahrt, bei der die See nicht ganz so ruhig war, die Nase voll und war einfach an Land geschwommen um einer neuen Seereise zu entgehen. Daher steht fest, Katzen können, wenn sie wollen, auch im Salzwasser schwimmen. Somit hatte er uns übererzeugt, dass wir die Reise wohl ohne ihn machen sollten. So wurde dann umgeplant, dass wir eine „Inselhüpftour“ mit dem Auto und nicht mit dem Boot machen wollten.

Somit begaben wir uns dann auf die Spuren von Odysseus.

Angefangen haben wir mit unserer Tour dann auf Lefkas, wo Odysseus nach Meinung des deutschen Archäologen Dörpfeld gelebt habe. Er hatte viele Ausgrabungen auf Lefkas gemacht hatte die dies beweisen sollten. Diese Spuren sind aber leider so „verwischt“, das sie schwer zu finden sind. Dörpfeld steht im Ansehen bei den Griechen sehr hoch, da er nicht als „akademischer Besserwisser“ aufgetreten ist, sondern die einheimische Bevölkerung mit in seine Arbeit einbezogen hat. Man hat im sogar in der Nähe seines Hauses einen Obelisken gestiftet. Weiterhin hat er die gemachten Funde den Griechen überlassen.
So erfreuten wir uns an der schönen Landschaft und den vielen Straßen „dritter Ordnung“ (Schotterweg). Trotz einer neuen Straßenkarte war die „Navigation“ nicht immer einfach. Unser Allradantrieb konnte jetzt voll seine Berechtigung zeigen. Einen Grossteil der Missverhältnisse zwischen Karte und Wirklichkeit ist nach unserer Erfahrung auf unterschiedliche Übersetzungen der kyrillischen Ortsnamen in die arabische Schrift anzusehen, dadurch kommen unterschiedliche Schreibweisen zu Stande, die man dann in der Karte nicht so schnell wiederfindet.
Nach dem wir Lefkas ausgiebig erkundet hatten setzten wir nach Kefallonia über. Kefallonia ist die größte der Ionischen Inseln. In Fiskardo, dem St.Tropez des Ionischen Meeres, haben wir übernachtet und machten uns dann auf den Weg das Inselinnere zu erkunden. Fiskardo ist einer der wenigen Orte die bei dem letzten großen Erdbeben von 1953 nicht zerstört wurde. Der Ort steht auf einer Tonplatte und so hat das Erdbeben nicht die zerstörerische Wirkung wie in den anderen Landesteilen gehabt. Spuren dieser Katastrophe sind noch an vielen Stellen der Insel zu finden.
An der steilen Westküste entlang ging es dann Richtung Süden. Ein weiterer Punkt war die Festung von Assos. Assos ist eine riesige Burganlage die von den Venezianern erbaut wurde. Sie ist über einen Fußweg von 1800m Länge, der stetig gleichmäßig bergan geht, erreichbar. Für einen Segler, der sonst nur vom Heck bis zum Bug und zurück geht, eine ernorme Strecke. Aber dann wird man durch eine wunderbare Aussicht von oben auf das Meer und die Landschaft voll entschädigt. Wieder auf Meeresebene angekommen, schmeckt dann das griechische Bier mit dem Namen „Mythos“ noch mal so gut. Die Landschaft ist einmalig schön.
Auf dieser Tour besuchten wir auch den berühmten weißen Strand von Mirtous. Er wird als der schönste Strand von Griechenland bezeichnet. Aus der Entfernung sieht er auch sehr schön aus, aber beim näheren hinsehen erweist er sich für uns Sandstrandverwöhnte Nordeuropäer als grober Kiesstrand. Für griechische Verhältnisse aber sehr schön und sauber. Wir sind öfter gefragt worden ob wir nicht mit dem Schiff den Strand mal anlaufen könnten, was ich bisher immer abgelehnt hatte. Der Strand besteht aus groben Kies und steht voll im Schwell einer Brandung. Zum Baden herrlich aber zum Ankern etwas problematisch. Das Wasser ist immer etwas milchig, da die Brandung die Kieselsteine immer aneinander reiben lässt.
Am nächsten Tag haben wir uns einen Ausflug in das Eos Gebirge vorgenommen. Die Berge sind bis zu 1600 m hoch und bewaldet. Es wächst dort eine sogenannte Kefallonia-Kiefer. Die Temperaturen sanken auf der Nordseite sogar auf 18° C im Schatten. Im Tal herrschten 35° C. Ausgerüstet mit neustem Kartenmaterial hatten wir uns auf die Reise gemacht, doch wir mussten dann feststellen das die Realität etwas anders aussah. 005Auf diese Weise fanden wir aber eine kleine Kirche, die vermutlich öfter als Wallfahrtsort benutzt wird. Der Schlüssel zur Kirche steckte und so konnten wir die kleine orthodoxe Kirche besichtigen. In unsere Gegend könnte man wahrscheinlich so viele vergoldete Gegenstände nicht unbewacht lassen. Aber hier geht es anscheinend noch. Hoffentlich noch sehr lange.
Am nächsten Tag ging es weiter über Poros nach Argostoli. Auch hier haben wir verschiedene Klöster und Burgen besichtigt. Von den vielen „alten Steinen“ haben wir uns dann erst mal an einem Strand ausgiebig erholt. In Argostoli befinden sich auch die berühmten Salzwassermühlen. Hier wurde Meerwasser zu den Mühlen geleitet, das dann über unterirdische Kanäle unter der Insel weiter fließt und in der Melissani-Höhle auf der anderen Seite der Insel wieder zum Vorschein kommt.006 Dies hat man durch Färbung des Wassers nachgewiesen. Leider haben auch hier Erdbeben die Funktion stark eingeschränkt und die unterirdischen Kanäle, die sich im laufe der zeit gebildet hatten, zum großen Teil verschüttet. Es existiert leider nur noch eine Schau-Mühle um die geologische Besonderheit darzustellen.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Klosters des hl. Gerasimos. Die Reliquie des Schutzheiligen der Insel wird hier aufbewahrt und hoch verehrt. Der hl. Gerasimos hat unter anderem damit gebrochen, das Bildung (Lesen und Schreiben) nur dem Adel vorbehalten war sondern auch „niedrigen“ Schichten ermöglicht wurde. Im Stundentakt wird der Schrein geöffnet und die Gläubigen können die Füße des hl. Gerasimos durch eine Klappe andeutungsweise küssen. Eine Nonne hält aber Wache, dass die Gläubigen während der Zeremonie, den Füßen nicht zu nahe kommen. Währenddessen werden von zwei Popen die Wünsche der Gläubigen, die sie vorher auf einem Zettel abgegeben haben, singend vorgetragen.
Von Kefallonia sind wir dann mit einer Fähre weiter nach Ithaka gefahren. Ithaka soll ja angeblich die Heimat von Odysseus sein und seine Penelope hier auf ihn gewartet haben. Homer hat dies in der Odyssee beschrieben. Dazu gibt es aber unter den Archäologen verschiedene Meinungen. In Stavros, oberhalb der Ormos Polis, dem angeblichen Starthafen zu seiner Odyssee, wird er jedenfalls durch ein Denkmal hoch geehrt. Um den Marktplatz scharen sich etliche Lokale die auf die Touristen warten. Am Strand, in der Ormos Polis, ist eine Ausgrabungsstätte ausgeschildert die aber leider bei einem der letzten Erdbeben nicht mehr zu begehen ist.
Unsere zweite Landreise haben wir dann über das Festland und das Peloponnes gemacht. Ziele waren Delphi, Korinth und Olympia. Zwischendurch haben wir uns aber auch Tage der Erholung gegönnt.
Das Orakel von Delphi war eine griechische Pilger- und Weissagungsstätte des antiken Griechenlands und befindet sich am Hang des Parnassgebirges bei der Stadt Delphi in der Landschaft Phokis. Es war die wichtigste Kultstätte der hellenistischen Welt. Sie galt lange Zeit sogar als Mittelpunkt der Welt. Die Geschichte von Delphi ist so umfangreich, das der Platz hier in unserem Jahresbericht nicht ausreichen würde, zumal es unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gibt. Es ist aber erstaunlich was die damaligen Erbauer für Leistungen erbracht haben. Einen richtigen Überblick bekommt man in dem angeschlossenen Museum wo man versucht hat die Funde wieder zu ergänzen um einen Gesamteindruck zu vermitteln. Wobei man auch hier feststellen muss, das ein Teil der Exponate im Original in anderen Museuen stehen. Mesit in den länder aus denen die Archäologen stammten. Eine halbe Autostunde weiter, Richtung Korinth, befanden wir uns plötzlich in einen Skigebiet. Hätte man in Griechenland als sonnenverwöhntes Land nicht vermutet. Skilifte an den Hängen wie in den Alpen. Wie wir später erfahren konnte besitzt Griechenland einige schneesichere Skigebiete.
Das nächste Ziel war dann Korinth. Als erstes haben wir selbstverständlich den Kanal von Korinth in Augenschein genommen. Er ist schon ein muss für alle maritim interessierten Besucher. Der Kanal von Korinth verbindet das Ionische Meer mit der Ägäis. 1893 wurde die 6345 Meter lange und bis zu 80 Meter tiefe "große Rinne" eingeweiht. Er wurde, was kaum bekannt ist, von zwei ungarischen Ingenieuren erbaut. Hiervon zeugt ein Denkmal am Nordufer neben der eisernen Straßenbrücke. Im Stundentakt fahren hier die Schiffe von Ost nach West und umgekehrt durch den Kanal. An beiden Enden befindet sich je eine Hubbrücke, die zur Freigabe an Seilen versenkt wird. Im Kanal herrscht eine Wassertiefe von 8 m. Wegen der ständigen leichten Erdbeben wird öfter gebaggert um die Rinne freizuhalten. Dazu wird der Kanal allerdings dann ganz gesperrt. Die Kanalgebühren sind nicht unerheblich und betragen für ein 15 m Schiff ca. 80 €. Wen man aber bedenkt, das man dadurch fast 400 km spart, ist das noch erträglich.
Nach dem Kanal von Korinth besuchten wir die Burg Akrokorinth. Die Anlage umfasst zwei Gipfel eines Felsmassivs. Es gibt nur einen Zugang im Osten der Festung. Dieser wurde von einer dreifachen Verteidigungsmauer mit drei starken Toren befestigt und zum Teil mit tiefen Gräben umgeben. Es ist faszinierend wie die Erbauer sich der Beschaffenheit des Berges beim Bau der Verteidigungsanlage zu nutze gemacht haben. Im Norden, Osten und Süden schützen steil abfallende Felshänge die Festungsanlage und im Westen gibt es eine zusätzliche Mauer. Die Steine dazu hat man direkt von dem Bergmassiv genommen und verwertet. Im Inneren des Burggeländes kann man Überreste der verschiedenen Bauherren sehen. Da sind osmanische Moscheen, byzantinische Zisternen oder eine venezianische Kirche. Wichtig zur Verteidigung war auch die Versorgung mit Wasser. Aus diesem Grunde wurden riesige Zisternen in den Fels gehauen um das Regenwasser aufzufangen. Das es dort oben öfter regnet als im Tal haben wir am eigenen Leib zu spüren bekommen, denn wir wurden bei der Besichtigung von einen plötzlich auftretenden Gewitterregen erfasst. Wir konnten nur noch die Flucht in eine kleine Kirche antreten und den Schauer abwarten. Der Rückweg wurde etwas beschwerlich, da die runden Pflastersteine durch den Regen sehr glatt wurden. Zum Glück hatten wir vorsorglich festes Schuhwerk angezogen und konnten, im Gegensatz zu manchen Flip-Flop Trägern, den Rückweg unverletzt bewältigen.
Weiterhin besuchten wir die Ausgrabungsstätte von Korinth. Die antike Stadt liegt weiter südwestlich am Fuße des Burgfelsens Akrokorinth, den wir vorher besucht hatten. Verheerende Erdbeben haben die Stadt mehrmals zerstört, dennoch sind von dem dorischen Apollontempel und einigen freigelegte Bauten aus römischer Zeit noch relativ gut erhaltene Reste erhalten. Die heutigen Ruinen des sogenannten Altkorinth, geben einen sehr guten Eindruck einer bedeutenden römischen Stadt wieder. Auch heute noch imposant ist das einst reich ausgestattete Brunnenhaus der Quelle der Peirene, die für ihr klares Wasser bekannt war. Der Brunnen lag in einem mit 6 Arkaden und zahlreichen Statuen geschmückten Haus. Erwähnenswert ist, dass sich vor diesem Wasserhaus, ein römisches Schwimmbecken befand. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausgrabungsstätten gibt es hier viele Tafeln mit Erklärungen mit Zeichnungen. Diese zeigen dann wie es einmal ausgesehenen haben sollte. Dieses erleichtert die Besichtigung und man kann sich vieles besser vorstellen.
Nach diesen vielen „alten Steinen“ haben wir und erst mal ein paar Tage „Strandurlaub“ auf dem südwestlichen Peloponnes gemacht.
013Die Autobahn führte uns durch das Gebiet, in dem im letzten Jahr die fürchterlichen Waldbrände gewütet hatten. Die Natur hatte sich leider noch nicht erholt. Die Küstenregion war allerdings von den Waldbränden nicht betroffen, da sie durch einen feuchten Schilfgürtel vom Inland getrennt ist. Hier fanden wir Ruhe und für Griechenland selten, einen der wenigen herrlichen Sand-strände. Hier konnten wir uns gut erholen und Kraft für die letzte Runde unserer „Alte Steine Tour“ schöpfen. Aus touristischer Sicht hatten die Vermieter dort einen einem kräftigen Umsatzeinbruch zu verkraften. Man sagte uns, dass es noch die Folgen der Waldbrände, des Vulkanausbruchs auf Island und die Ankündigung von Streiks auf Grund der griechischen Wirtschaftskrise wären. Ein Wirt erzählte uns, dass er im letzten Jahr noch mit 7 Personen in seiner Taverne gearbeitet hätte und heute es allein schaffen würde. Unsere letzte Station auf dieser Reise war das antike Olympia. Die Kultstätte entstand etwa in der Mitte des 11. Jahrhunderts v. Chr., während der Nachweis für die Abhaltung von regelmäßigen Wettkämpfen nicht lange vor den Beginn des 7. Jhs. v. Chr. zu setzen ist. Ihre monumentalen Bauten erhielten ihre endgültige Form im 4. Jahrhundert v. Chr., danach wurden Änderungen vorgenommen, um die Nutzung durch die Römer zu ermöglichen. Auch hier findet man Spuren von den vielen Kulturen und Epochen die Griechenland erlebt hat. Ein Erdbeben zerstörte n.Chr. 551 die Kultstätte und ließ sie bis zu 5 m unter Schlamm und Geröll verschwinden. Erst in der Neuzeit erwachte wieder das Interesse an der antiken Kultstätte. 1766 wurde Olympia wiederentdeckt, 1874 begannen schließlich systematische Ausgrabungen unter deutscher Leitung. Selbstverständlich suchten wir auch die Stätten auf, die uns durch Berichte von den olympischen Spielen bekannt waren. Der Altar der Göttin Hera, an der seit 1936 traditionell das olympische Feuer entzündet wird, ist im Normalfall ein sehr unscheinbarer Platz neben dem Tempel der Hera. Er wirkt anscheinend nur attraktiv wenn die Akteurinnen in ihren Kostümen, die Hohlspiegel zum entzünden des Feuers aufgestellt sind und die Medien das Geschehen übertragen.
Es weiteres „muss“ war das Stadion in dem früher die Wettkämpfe stattfanden. Das Stadion wurde nach den Ausgrabungen 1961 wieder in der Form hergerichtet, die es im 4. Jhd. v. Chr. erhalten hatte. Insgesamt ist das Stadion 213 Meter lang. Die Länge der Laufbahn betrug, zwischen den noch heute erhaltenen Rillen der Start- und Zielschwellen gemessen, 192,28 Meter, ihre Breite etwa 31 bis 32 Meter. Sie ist von einfachen Graswällen umgeben, auf denen rund 45.000 Zuschauer Platz fanden. Wegen der großen Hitze und unseres Alters haben wir aber auf eine sportliche Betätigung auf olympischen Boden verzichtet.
Voll von den vielen neuen Eindrücken fuhren wir dann nach einem weiteren Hotelaufenthalt zurück nach Meganisi um dann weiter in der Ionischen Inselwelt herumzusegeln.
Noch ein Erlebnis zum Schluss: Auf der Rückreise hatten sich im Hafen von Ancona, während wir vor dem Terminalparkplatz parkten um unsere Tickets abzuholen, zwei Jugendlich auf unserem Boot versteckt. Sie lagen zusammengekauert im offenen Cockpit. Sie wollten so mit nach Italien übersetzen. Zum Glück haben wir sie noch rechtzeitig entdeckt und konnten sie von der Hafenpolizei festnehmen lassen. Hätten wir sie nicht entdeckt, hätten wir große Schwierigkeiten in Italien wegen Menschen-Schmuggels bekommen können...
Für das Jahr 2011 haben wir die Fähre schon gebucht und sind ab dem 23.4.2011 wieder auf Tour...
Wie immer nach dem Motto
„Sonnenschirm statt Regenschirm“

Bericht Alfred Metzner 
 
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